OpenAI hat zwei Dinge angekündigt, die für Marketing-Teams und Entscheider spannend sind: einerseits Werbung, andererseits das neue, günstigere Abo ChatGPT Go als Ergänzung zu den bestehenden Plus- und Pro-Abonnements.
Die Werbung soll dabei klar gekennzeichnet und getrennt von Antworten zunächst nur bei kostenloser Nutzung und dem neuen Go-Abonnement erscheinen. Ein Einfluss auf die Antworten selbst ist nicht vorgesehen.
Warum das ein Shift fürs Marketing werden kann
ChatGPT ist nicht nur ein weiterer Kanal, sondern ein Intent-Interface: Nutzer kommen häufig mit einem konkreten Problem („Was soll ich kaufen?“, „Wie löse ich X?“, „Welche Tools passen?“), nicht mit einem Keyword. Dieser Kontext ist für Werber und Marketer ein wichtiges Signal.
OpenAI positioniert ChatGPT zudem als vertrauensnahen Raum. Wenn Ads kommen, werden sie (zumindest initial) sehr vorsichtig und eher als „kontextuelle Empfehlungen“ integriert.
Was Google bereits vormacht: Anzeigen in AI Overviews
Bei Google sind „AI Overviews“ (KI-Zusammenfassungen oberhalb der klassischen Ergebnisse) inzwischen in vielen Ländern verfügbar. Google hat die Monetarisierung dafür Schritt für Schritt getestet und ausgebaut.
Anzeigen in AI Overviews erscheinen vor allem bei Suchanfragen ohne „eine richtige Antwort“, bei denen Google Informationen aus mehreren Quellen zusammenführt. Ads werden nur bei einem Teil dieser Overviews ausgespielt, wenn kommerzieller Intent erkannt wird und hochwertige, passende Anzeigen verfügbar sind. Zusätzlich müssen die Anzeigen inhaltlich zur KI-Zusammenfassung passen.
ChatGPT-Nutzung: weltweit und in Deutschland
Global: extrem hohe Nutzung
OpenAI spricht in offiziellen Veröffentlichungen von 700 Mio. wöchentlich aktiven Nutzern (Stand September 2025), inzwischen sind es vermutlich mehr.
Deutschland: breite KI-Nutzung, ChatGPT dominiert
Für Deutschland zeigen Umfragen Ende 2025: rund zwei Drittel der Menschen nutzen KI-Anwendungen; ChatGPT ist dabei das am häufigsten genutzte Werkzeug.
Welche Chancen entstehen für Marketer?
1) „High-Intent Ads“: Werbung nah an der Entscheidung
Wenn Ads in ChatGPT wirklich kontextuell (und nicht personenbezogen) ausgespielt werden, bedeutet das:
- Problem > Lösung > Anbieter in einem Ablauf
- weniger Reibungsverluste
Diese Möglichkeit der Werbung ist somit besonders spannend für beratungsintensive Produkte und Dienstleistungen wie SaaS, Finanzprodukte, Bildung, Reise, Elektronik usw.
2) Commerce-Potenzial: Wenn ChatGPT nicht nur empfiehlt, sondern verkauft
OpenAI baut parallel Commerce-Integrationen aus. Für Marketer heißt das: Produktdaten, Verfügbarkeit, Preise, Versand usw. werden könnten direkt in den Prozess integrierbar werden.
3) Attribution & Messbarkeit: UTM wird wieder wichtiger (und kreativer)
Wenn Nutzer per Anzeigen-Klick ChatGPT verlassen, bleibt Tracking relevant:
- eigene Landingpages pro Intent-Cluster
- UTM-Standards, die ChatGPT-Kampagnen separat ausweisen
- serverseitiges Tracking und Messkonzepte, die Privatsphäre berücksichtigen
Referral-Traffic aus AI-Chatbots kann bereits jetzt sehr stark sein, weshalb eine kontinuierliche Anpassung und Optimierung in den Bereichen SEO und GEO (Generative Engine Optimisation) lohnt.
Was man jetzt tun kann?
- Intent-Map bauen
Welche 20–50 Fragen stellen Kunden – und wie lassen sie sich in 30 Sekunden beantworten?
- LLM-Audit
Produktseiten, Hilfe-Center, Vergleichsseiten, FAQs, strukturierte Daten, konsistente Benennungen
- Autorität stärken
Tests, Reviews, Fachartikel, Partnerseiten, Communities
- Landingpages für Beratung
Nicht nur Features, sondern „Wenn du X willst, nimm Y“ mit klaren Schritten zur Umsetzung
- Mess-Setup vorbereiten
UTM-Naming, Server-Side, CRM-Zuordnung, DSGVO-konform
Fazit
Wenn ChatGPT Free & Go Werbung bekommen, entsteht ein weiteres Spielfeld zwischen Search-Intent und Assistant-Experience. Die Gewinner werden hoffentlich nicht die lautesten Werber sein, sondern die Marken, die:
- die besten Antworten auf echte Nutzerfragen liefern
- messbar in den Funnel integriert sind
- Vertrauen aufbauen







