Martin Kulawik bei einer Videoaufnahme im Studio, im Vordergrund ein Smartphone auf einem Stativ.

AI Overviews: Mit Videos und Web-Tools Kunden gewinnen

Ein hilfreicher Blogartikel konnte lange der Anfang einer Kundenbeziehung sein: Jemand sucht bei Google nach einer Lösung, landet auf deiner Website und entdeckt dabei dein Angebot. Dieser Weg wird durch KI-Antworten oberhalb der Suchergebnisse weniger selbstverständlich.

Wenn Google die Frage schon in den Suchergebnissen beantwortet, fehlt möglicherweise der Anlass, deine Website zu besuchen. Die Information kommt an, aber der Kontakt zu deinem Unternehmen entsteht nicht mehr.

Für Selbstständige und Unternehmen stellt sich deshalb eine praktische Frage: Wie erreichen wir potenzielle Kunden, wenn hilfreiche Antworten seltener einen Klick auslösen?

Ich sehe zwei Ansätze, die sich gut ergänzen: Videos, in denen du dein Wissen und deine Arbeitsweise zeigst, und kleine Web-Tools, mit denen Menschen eine konkrete Aufgabe erledigen können.

Warum AI Overviews den Weg zur Anfrage verändern

AI Overviews sind KI-generierte Zusammenfassungen in der Google-Suche. Sie können Fragen direkt beantworten und enthalten Links zu weiterführenden Quellen. Wer mit der Zusammenfassung bereits zufrieden ist, braucht diese Quellen allerdings nicht unbedingt aufzurufen.

Eine Untersuchung des Pew Research Centers veranschaulicht das: Bei den untersuchten Google-Suchen mit KI-Zusammenfassung folgte in 8 Prozent der Besuche ein Klick auf ein klassisches Suchergebnis. Ohne Zusammenfassung waren es 15 Prozent. Grundlage waren Browserdaten von 900 Erwachsenen in den USA aus März 2025. Das ist keine Prognose für deine Website und belegt für sich allein keine Ursache. Es zeigt aber einen relevanten Unterschied im beobachteten Klickverhalten.

Für deine Kundengewinnung bedeutet das: Ein gutes Ranking kann weiterhin wertvoll sein. Du solltest zusätzlich überlegen, welchen konkreten Grund jemand hat, deine Website zu besuchen oder sich an dich zu erinnern.

Videos zeigen, wie du Probleme löst

Wenn ich eine Reparatur verstehen möchte, hilft mir eine Erklärung. Wenn ich sehen kann, welches Bauteil gemeint ist und wie ein Handgriff funktioniert, kann ein Video die bessere Hilfe sein.

Dasselbe Prinzip lässt sich auf Beratung, Dienstleistungen und Produkte übertragen. Du kannst zeigen, wie du arbeitest, worauf du achtest und warum du eine bestimmte Entscheidung triffst.

Zum Beispiel:

  • Ein Handwerksbetrieb zeigt an einem Bauteil, woran sich Verschleiß erkennen lässt und wann eine Reparatur sinnvoll sein kann.
  • Eine Beraterin erklärt an einem anonymisierten Fall, welche Informationen ihr für eine Entscheidung gefehlt haben.
  • Ein Softwareanbieter führt einen typischen Arbeitsablauf vor und zeigt, an welcher Stelle sein Produkt Zeit spart.

Solche Videos geben Menschen die Möglichkeit, deine Kompetenz und deine Art kennenzulernen. Gerade bei einer Dienstleistung kann das helfen, sich eine Zusammenarbeit vorzustellen.

Du kannst sie über YouTube, LinkedIn oder andere passende Kanäle verbreiten und damit weitere Kontaktpunkte außerhalb der Google-Suche schaffen. Ein Websitebesuch muss dabei nicht sofort entstehen. Vielleicht merkt sich jemand deinen Namen und kommt erst später mit einer konkreten Anfrage auf dich zu.

Auch Videoinhalte können von KI ausgewertet und zusammengefasst werden. Ihr besonderer Wert liegt aus meiner Sicht deshalb in der sichtbaren Praxis: deiner Demonstration, deiner Erfahrung und deiner persönlichen Einordnung.

Nimm als Einstieg eine Frage, die dir Kunden regelmäßig stellen, und beantworte sie an einem konkreten Beispiel. Zeige dabei etwas, das man sehen sollte.

Web-Tools helfen Kunden, eine Aufgabe zu erledigen

Eine zweite Möglichkeit sind kleine Anwendungen auf deiner Website: Rechner, Konfiguratoren oder interaktive Entscheidungshilfen.

Ein Artikel kann erklären, welche Faktoren ein Projektbudget beeinflussen. Ein passender Rechner lässt Interessierte ihre Anforderungen eingeben und liefert eine erste Orientierung auf Basis deiner Leistungen und Preise.

Dafür brauchst du nicht gleich eine große Softwareplattform. Oft reicht eine klar abgegrenzte Funktion.

UnternehmenMögliche AnwendungNutzen für Interessierte
AgenturProjektkonfigurator mit eigenen LeistungspaketenUmfang und groben Budgetrahmen einschätzen
FachhändlerProduktauswahl mit geprüften KompatibilitätsdatenPassende Komponenten finden
DienstleisterAngebotsvorbereitung mit den tatsächlich benötigten AngabenEine vollständige, passende Anfrage stellen

Die Ideen sollten aus echten Kundengesprächen entstehen: Welche Informationen fragst du immer wieder ab? Was berechnest du regelmäßig? Bei welcher Entscheidung brauchen Interessierte häufig Unterstützung?

KI kann bei der Konzeption und Programmierung solcher Anwendungen unterstützen. Ob daraus ein hilfreiches Tool wird, hängt aber vor allem von deinem Fachwissen, der Qualität der Daten und einer verständlichen Bedienung ab. Auch ein kleiner Rechner braucht geprüfte Ergebnisse und nachvollziehbare Annahmen.

Was ein Tool gegenüber einer KI-Antwort leisten sollte

Ein Tool ist nicht automatisch vor KI-Konkurrenz geschützt. Google hat im Mai 2026 selbst interaktive Werkzeuge, Simulationen und individuell erstellte Mini-Apps direkt in der Suche angekündigt.

Ich würde deshalb besonders auf Anwendungen setzen, die etwas Eigenes einbringen:

  • aktuelle Preise oder Verfügbarkeiten aus deinem Unternehmen,
  • geprüfte branchenspezifische Daten und Berechnungen,
  • Ergebnisse, die sich speichern, exportieren oder weiterbearbeiten lassen,
  • eine direkte Verbindung zu einem passenden Angebot oder einer Buchung.

Ein allgemeiner Rechner ist leicht austauschbar. Ein Werkzeug, das zuverlässig mit deinem Sortiment oder deinen Leistungen arbeitet, bietet einen konkreteren Anlass für den Besuch.

Eine automatische Verlinkung durch Google oder andere KI-Plattformen ist damit nicht garantiert. Das Tool braucht einen erkennbaren Nutzen und muss bekannt werden, beispielsweise über passende Artikel, Videos und bestehende Kundenkontakte.

Wie daraus eine Kundenanfrage werden kann

Besuche, Videoaufrufe und Tool-Nutzung sind zunächst Kontakte mit deinem Angebot. Damit daraus Anfragen entstehen können, sollte der nächste Schritt zum jeweiligen Bedarf passen.

Nach einem Video über typische Planungsfehler könnte das eine Projektbesprechung sein. Nach einer Produktauswahl eine Anfrage zu den gewählten Komponenten. Nach einem Budgetrechner ein Angebot, das die eingegebenen Anforderungen bereits berücksichtigt.

Ich würde den grundlegenden Nutzen möglichst ohne vorgeschaltete Registrierung zugänglich machen. Eine Kontaktaufnahme wird dann interessant, wenn jemand Unterstützung beim nächsten Schritt möchte.

So entsteht ein nachvollziehbarer Übergang: Menschen erleben, wie du ihnen hilfst, und können anschließend mit einem konkreten Anliegen auf dich zukommen.

Welche Rolle Blogartikel weiterhin spielen

Hilfreiche Texte bleiben Teil dieser Strategie. Sie erklären Zusammenhänge, dokumentieren Erfahrungen und machen verständlich, für wen ein Angebot oder Tool geeignet ist. Google bestätigt außerdem, dass die grundlegenden SEO-Empfehlungen auch für seine KI-Suchfunktionen relevant bleiben.

Ein Thema lässt sich deshalb sinnvoll in mehreren Formen bearbeiten: Im Video zeigst du einen Anwendungsfall. Im Artikel erläuterst du Hintergründe und Grenzen. Ein ergänzendes Tool hilft bei der individuellen Anwendung.

Wenn du zunächst prüfen möchtest, ob deine bestehenden Inhalte betroffen sind, findest du auf Achtung.app eine Anleitung zum Einordnen von Traffic-Verlusten durch KI-Übersichten.

Einfach anfangen

Wähle eine häufige Kundenfrage, die eng mit deinem Angebot zusammenhängt. Prüfe anschließend:

  1. Was lässt sich dazu anschaulich zeigen? Daraus kann ein erstes Video entstehen.
  2. Welche wiederkehrende Aufgabe steckt dahinter? Vielleicht lohnt sich dafür ein kleines Tool.
  3. Welcher nächste Schritt hilft Interessierten weiter? Verknüpfe das Ergebnis mit einer passenden Kontaktmöglichkeit.
  4. Woran erkennst du den Nutzen? Betrachte neben Aufrufen und Besuchen auch die tatsächliche Nutzung und die Qualität der Anfragen.

Du musst dafür nicht sofort eine ganze Videoreihe oder eine umfangreiche Web-App entwickeln. Ein konkretes Thema reicht, um herauszufinden, was deine Zielgruppe annimmt.

Welche Frage beantwortest du deinen Kunden immer wieder – und könntest du daraus eine hilfreiche Demonstration oder ein kleines Werkzeug machen?

Wenn du eine Idee für einen Rechner, Konfigurator oder eine andere Web-Anwendung hast, schreib mir kurz, welche Aufgabe sie lösen soll.